Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation (Gfk)

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Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Wie funktioniert die Gewaltfreie Kommunikation?

Warum Gewaltfreie Kommunikation für Kinder geeignet ist und welchen Nutzen alle Beteiligten davon tragen?

Warum das Kind mittels Gewaltfreien Kommunikation lernt die Verantwortung für seine Gefühle und Handlungen zu übernehmen

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Die Gewaltfreien Kommunikation, kurz Gfk genannt, heisst auch Giraffenkommunikation. Die Existens der Gewaltfreien Kommunikation  tauchte nach Jahrhunderten in der Vergessenheit wieder auf. Dank Marshall Rosenberg wurde die Gewaltfreie Kommunikation wieder aufgegriffen und verbreitet.Unter der Gewaltfreien Kommunikation wir verstanden von Herz zu Herz zu kommunizieren und da die Giraffe ein grosses Herz, anatomisch gesehen, hat, wird diese als Symbol verwendet. Aus diesem Grund wird die Gfk auch die Giraffenkommunikation genannt. Doch was bringt die Gewaltfreie Kommunikation? Nämlich dass diese lebensbereichernd für alle Beziehungen ist.

In der Gewaltfreien Kommunikation oder in der sogenannten Einfühlsamen Kommunikation bedeutet es, stets einfühlsam mit sich und dem Gegenüber zu sein (vgl. Rosenberg 2005: 22). Dabei wird verstanden eine Verbindung zu sich selbst und zu anderen aufgenommen, welche einfühlsam ist (vgl. Rosenberg 2010: 10). Der Schwerpunkt liegt auf den gemeinsamen Bedürfnissen und Werten. „Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit, ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.“ (Rosenberg 2005: 19). Aus der Defintion der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg wählte er den Begriff gewaltfrei nach Gandhi (vgl. Rosenberg 2005: 22). „Er meint damit unser einfühlendes Wesen, das sich wieder entfaltet, wenn die Gewalt in unseren Herzen nachlässt.“ (Rosenberg 2005: 22) Denn von der Gesellschaft werden oft Worte gewählt, welche Verletzungen und Leid hervorrufen, was als gewalttätige Sprache erachtet wird (vgl. Rosenberg 2005: 22).

Die Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht unter Umständen, welche herausfordernd sind, „menschlich zu bleiben“. (Rosenberg 2005: 22) Nach Rosenberg ist die Gewaltfreie Kommunikation eine Zusammenstellung von Wissen aus der Kommunikationspsychologie, welche vor Jahrhunderten vergessen geraten ging und beinhaltet keine neuen Gedankengänge (vgl. Rosenberg 2005: 22). Die GFK ist prozessorientiert und bietet endgültige Lösungen von Problemen an (vgl. ebd.: 45). Mit Hilfe der GFK wird von alten Mustern von Verteidigungen, Rückzügen oder Angriffen sowie von Urteilungen und Kritiken weggekommen, indem diese durch die Anwendung der Gewaltfreien Kommunikation ersetzt werden (vgl. ebd.: 23). „Wir sehen Beziehungen in einem neuen Licht, wenn wir mit Hilfe der GFK unsere eigenen, zugrundeliegenden Bedürfnisse und die der anderen wahrnehmen.“ (Rosenberg 2005: 23) Dabei liegt die Konzentration auf der Klärung von Beobachtungen, Gefühlen und Bedürfnissen (vgl. Rosenberg 2005: 23). Die GFK kann angewandt werden ohne dass sich das Gegenüber ebenfalls an der Gewaltfeien Kommunikation bedient (vgl. ebd.: 23).

 

Wie funktioniert die Gewaltfreie Kommunikation?

Rosenberg gliedert sein Modell der Gewaltfreien Kommunikation in vier Schritte des menschlichen Bewusstseins. Er nennt diese die …„vier Komponenten des GFK-Modells“. (Rosenberg 2005: 25) Diese vier Schritte sind (1) das Beobachten, (2) die eigenen Gefühle, (3) die eigenen Bedürfnisse und (4) die Bitten. Mit diesen vier Schritten kann man die Gewaltfreie Kommunikation Schritt für Schritt lernen und zugleich weiss man, wie diese gehen.

Beobachten

Der erste Schritt in der Anwendung der Gewaltfreien Kommunikation ist das genaue Beobachten. Damit ist ein Beobachten gemeint, welches sich auf Tatsachen bezieht, ohne die Beobachtungen mit Bewertungen zu vermischen (vgl. Rosenberg 2010: 12-13). Für viele Menschen ist es schwierig, das Verhalten anderer zu beobachten, ohne automatisch Verurteilungen, Kritik oder andere Arten der Analyse vorzunehmen und mit einfliessen zu lassen (vgl. Rosenberg 2005: 48). Beim ersten Schritt eines Konfliktes geht es darum eine Tatsache aus der Beobachterperspektive wiederzugeben.

Die folgenden Beispiele sollen die Unterschiede zwischen einer reinen Beobachtung und einer Beobachtung, vermischt mit einer Bewertung, verdeutlichen:

Beobachtungen Bewertungen
„Hier liegen Kleider am Boden.“ „Hier sieht’s aus wie im Saustall!“
„Roger Federer hat die letzten drei Spiele gewonnen.“ „Roger Federer ist ein guter Tennisspieler.“
„Ich wiege 80 Kilo!“ „Ich bin zu dick!“

Beobachtungen sind für uns ein wichtiges Element, wenn wir die Absicht haben, einem anderen Menschen mitzuteilen, wie es uns geht (ebd.: 45). Die Gewaltfreie Kommunikation verlangt, dass wir zwischen den Beobachtungen und Bewertungen immer sauber trennen. Wenn wir die Beobachtungen mit Bewertungen vermischen, entsteht die Gefahr, dass das Gegenüber Kritik hört, abwehrt und nicht wahrnimmt, was wir sagen wollten. Zudem sollten Verallgemeinerungen vermieden werden und die Beobachtungen sollten sich auf einen Zeitrahmen und einen Zusammenhang beziehen (ebd.: 51). Wir sagen also nicht: „ich habe dich schon gestern und vorgestern beobachtet wie du…“, sondern wir beziehen uns auf das aktuelle Ereignis.

 

Gefühl

Die zweite Komponente der Gewaltfreien Kommunikation, die wir benötigen, um uns mitzuteilen, beinhaltet unsere Gefühle (vgl. Rosenberg 2005: 57). Wenn wir verstanden werden wollen, ist es wichtig, dem Gegenüber unsere Gefühle mitzuteilen (vgl. Gaschler 2010: 38). Die Gefühle können als Ausdruck von Bedürfnissen gesehen werden. Durch die Gefühle werden die Bedürfnisse sichtbar und erkennbar. Daher sind die zwei Komponenten nicht voneinander trennbar (vgl. Rosenberg 2010: 17). Gaschler (2010: 38) geht davon aus, dass wohlige Gefühle auf erfüllte Bedürfnisse und schmerzhafte Gefühle auf unerfüllte Bedürfnisse hinweisen. Leider fällt es vielen Leuten schwer, ihre Gefühle zu benennen und sie zu zeigen (vgl. Rosenberg 2005: 58). Rosenberg (2005: 57) stellt fest, dass wir in unserer Welt eher dazu verleitet werden „aussenorientiert“ zu leben, anstatt mit uns selber in Kontakt zu treten. Zudem verfügen viele Menschen über kein ausreichendes Vokabular, mit welchem sie ihre Gefühle präzise ausdrücken könnten. Daher kann die Schwierigkeit auftreten, dass statt Gefühle, Gedanken ausgedrückt werden. Gaschler (2010: 39) sagt dazu folgendes: „Häufig benennen wir etwas als ein Gefühl, das eigentlich wenig über unsere Emotionen ausdrückt, sondern vielmehr über Gedanken, die wir über andere Menschen oder Dinge haben.“ Gemeint sind dabei Aussagen wie: „Ich fühle mich missbraucht“ oder „Ich fühle mich provoziert“ (vgl. Rosenberg 2005: 62). Verwirrung stiftet oft das Wort fühlen. Wir benutzen es, ohne damit wirklich eine Beschreibung eines Gefühls auszudrücken. Ausserdem gibt es eine Reihe von Wörtern (z.B. missbrauchen, provozieren), welche, statt unserer eigenen Gefühle, eher unsere Interpretationen des Verhaltens anderer Menschen ausdrücken (ebd.: 62).

Ein wichtiger Aspekt der Gewaltfreien Kommunikation besteht in der Annahme, dass wir immer die Verantwortung für unsere Gefühle selber übernehmen. In unserer westlichen Kultur wird uns oft vermittelt, wir seien für die Gefühle anderer Menschen verantwortlich oder schuld an deren Auftreten (z.B. „Mama ist sauer, weil du die Zähne nicht geputzt hast.“). Die Gewaltfreie Kommunikation geht davon aus, dass das Verhalten eines anderen Menschen der Auslöser für ein bei uns selbst auftretendes Gefühl, jedoch niemals die Ursache dafür sein kann. Ein auftretendes Gefühl ist dabei als Indikator unserer erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnisse zu verstehen (vgl. Gaschler 2010: 40-41). Wenn wir uns zum Beispiel darüber aufregen, dass ein Freund sich nicht an unsere Abmachung gehalten hat, ist der Grund für unser auftretendes Gefühl nicht das, was er getan oder nicht getan hat, sondern unser unerfülltes Bedürfnis nach Verlässlichkeit.

Bedürfnis

Die dritte Komponente zur sprachlichen Mitteilung durch Gewaltfreien Kommunikation beinhaltet die Bedürfnisse. Hier geht es um das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Bedürfnisse. Sie stehen in einem engen Kontakt mit unseren Gefühlen. Wir empfinden angenehme Gefühle, wenn unsere Bedürfnisse erfüllt werden und unangenehme oder schmerzhafte Gefühle, wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden (vgl. Rosenberg 2010: 15). Die Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt der Gewaltfreien Kommunikation. Es wird davon ausgegangen, dass alles, was wir machen, …„der Erfüllung hungriger Bedürfnisse dient“… (Gaschler 2010: 41). Daher können unsere Bedürfnisse als Motor angesehen werden, welcher uns vorantreibt.

Die Gewaltfreie Kommunikation geht davon aus, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben. Somit gälten sie als universell (ebd.: 15). Marshall B. Rosenberg (2005: 74-75) formuliert dazu sieben Bereiche grundlegender Bedürfnisse des Menschen. Die Gewaltfreie Kommunikation geht davon aus, dass durch die Versprachlichung der eigenen Gefühle, die Chancen erhöht werden, vom Gegenüber verstanden zu werden. Rosenberg (2010: 15) sagt dazu folgendes: …„wenn wir unserem Gegenüber vermitteln können, was unsere Bedürfnisse sind, dann haben wir eine viel bessere Chance, dass diese Person bereit ist, etwas zur Erfüllung beizutragen, als wenn wir sie angreifen und kritisieren“.

Manche Frauen haben sich angeeignet, ihre eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und dem Wohl der Gemeinschaft zu dienen (vgl. Rosenberg 2005: 76). Rosenberg (2005: 76) weist darauf hin, wie wichtig es ist, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und klar auszudrücken: „Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun andere es auch nicht“. Wir sind also dazu aufgefordert, uns für unsere Bedürfnisse einzusetzen.

Bitte

Der vierte und letzte Schritt der Gewaltfreien Kommunikation beinhaltet das Formulieren von Bitten. Genauer, geht es um die Frage: Um was möchten wir andere Menschen bitten, damit sich unsere Lebensqualität verbessert? Wenn unsere Bedürfnisse unerfüllt sind, bitten wir um Handlungen, die unsere Bedürfnisse erfüllen können (vgl. Rosenberg 2005: 87). Nach Gaschler (2010: 45) kann diese Bitte als Geschenk für das Gegenüber betrachtet werden, um ihm die Gelegenheit zu geben, unser Leben zu bereichern. Es geht dabei nicht darum, wie die andere Person denken, sich fühlen oder wie sie sein soll. Es geht um konkrete Handlungen. Man bittet sie um eine bestimmte Handlung, damit das eigene Leben bereichert wird (vgl. Rosenberg 2010: 15). Nun stellt sich die Frage, wie wir unsere Bitten formulieren können, damit bei anderen Menschen die Bereitschaft gesteigert wird, auf unsere Bedürfnisse zu reagieren und zu deren Erfüllung beizutragen. Bei der Formulierung ist es wichtig zu beachten, dass man um eine Handlung bittet, die zum eigenen Bedürfnis passt. Zudem soll eine Bitte immer positiv formuliert sein. Wir drücken aus, wofür wir bitten, und nicht, wofür wir nicht bitten. Hier zur Veranschaulichung ein Beispiel einer negativ ausgedrückten Bitte: „Ich möchte, dass du nicht so viel arbeitest“. Es wird also das ausgesprochen, was man nicht möchte. Besser wäre: „Ich möchte, dass du an einem Abend in der Woche Zeit für mich hast“. Negativ formulierte Bitten rufen sehr schnell Widerstand aus. Zudem ist es der betroffenen Person oft nicht klar, worum sie gebeten wird (vgl. Rosenberg 2005: 89).Neben der positiv formulierten Handlungssprache ist es wichtig, dass Bitten als konkrete Wünsche von Handlungen ausgedrückt werden. Statt zu bitten: „Ich möchte, dass du mehr Zeit für mich hast“, ist es besser zu sagen: „Ich möchte, dass wir am Abend eine Stunde gemeinsam Zeit verbringen, in welcher wir uns auszutauschen können“. Diese gebetenen Handlungen müssen dabei für das Gegenüber ausführbar sein. Durch diese Ausdrucksweise können vage, abstrakte und zweideutige Aussagen verhindert werden (ebd.: 90-91).

Manchmal genügt es, ein Gefühl auszusprechen und der anderen Person ist klar, was wir von ihr wollen. Wenn wir zum Beispiel sagen: „Ich habe Durst“, ist es für die andere Person sehr wahrscheinlich klar, dass ich gerne etwas trinken möchte und ich sie bitte, mir etwas zu trinken zu bringen. Es gibt jedoch auch viele Situationen, in welchen für die andere Person nicht eindeutig verständlich ist, worum wir sie bitten, wenn wir nur unsere Gefühle ausdrücken (wie es beim oben erwähnten Beispiel der Fall ist) (ebd.: 93).

Die Kommunikation wird ebenfalls problematisch, wenn jemand eine Bitte ausspricht, ohne vorher über die Gefühle und Bedürfnisse zu informieren, die dieser Bitte vorangehen. In einer solchen Situation wird eine Bitte oft als Forderung verstanden. Wenn eine Person davon ausgeht, dass ihr eine Forderung gestellt wird, rechnet sie damit, dass sie bestraft oder beschuldigt wird, wenn sie sie nicht erfüllt. Das darauf folgende Verhalten zeigt sich in einer solchen Situation oft als Unterwerfung oder Rebellion (ebd.: 99). Bitten sind dann wirkliche Bitten, wenn sie offen für ein „nein“ sind und darauf keine negativen Konsequenzen folgen können (vgl. Gaschler 2010: 45). Bei einer Ablehnung reagiert der Sprecher anschliessend einfühlsam auf die Bedürfnisse des Gegenübers und verurteilt diesen nicht (vgl. Rosenberg 2005: 100).

Wenn wir echte Bitten ausdrücken wollen, setzt dies ein Bewusstsein über unser Ziel voraus. Das Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist dabei nicht, andere Menschen und deren Verhalten zu ändern oder unseren Willen durchzusetzen, sondern …„Beziehungen aufzubauen, deren Basis Offenheit und Mitgefühl ist“. (Rosenberg 2005: 102) Die sprechende Person möchte dabei erreichen, dass das Gegenüber auf sie reagiert und sich ändert, aber nur unter der Bedingung, dass sie es freiwillig und einfühlsam tut (vgl. Rosenberg 2005: 100).

Fehlt Ihnen manchmal der Wortschatz oder suchen Sie nach passenden Verben, damit Sie sich präziser ausdrücken können. Falls Sie gerne eine Tabelle mit diversen aufgeführten Gefühlen für Ihren Geldbeutel haben möchte, dürfen Sie uns gerne ein Mail jasmin@selbstbewusste-kinder-erziehung.com schreiben  und wir senden Ihnen diese dann zu.

 

Warum Gewaltfreie Kommunikation für Kinder geeignet ist und welchen Nutzen alle Beteiligten davon tragen?

Die Gewaltfreie Kommunikation funktioniert ab keinem Alter. Denn die GFK ist kein Mittel zur Dressur und will die Kinder nicht zum Funktionieren bringen. Bereits ab der Geburt bringen die Kinder ihre Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck und können die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen verstehen (vgl. Gaschler 2010: 56).

Kinder können sich ab jedem Alter einer verantwortungsvollen Redeweise ebenso wie an einer bedürfnisorientierten Redeweise bedienen (vgl. ebd.: 70). Jedoch benötigt eine Gewaltfreie Kommunikation eine sichere Sprach-und Ausdrucksfähigkeit. Des Umgangs mit der Sprache und Haltung bedarf eine gewisse Übung. Die Kinder lernen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und können diese schliesslich entsprechend ausdrücken (vgl. Gens 2009: 70). Die Kinder „lernen die GFK doppelt so schnell wie Erwachsene.“ (Rosenberg 2010: 97)

Nach den Beobachtungen und Selbsttesten von Rosenberg (2005: 6ff) geht hervor, dass Kinder oft entmenschlicht werden. Das heisst, dass sie weniger respektvoll und mitfühlend als Erwachsene behandelt werden (vgl. ebd.: 7). Dies aufgrund ihres Alters und weil ihnen die Kind-Etikette aufgedrückt wird. Oft gelangen Menschen an einen Punkt, wo sie andere nur noch verletzen wollen, weil sie nicht wissen, wie sie die gegenseitige Menschlichkeit erkennen können (vgl. ebd.: 8).

Die Erwachsenen gehen davon aus, dass sie wissen was das Beste für das Kind ist. Somit fordern sie Kinder auf, den Vorstellungen der Erwachsenen entsprechend zu Handeln. Dies löst beim Kind Widerstand aus, denn das Kind kann nicht selber wählen. Diese Art von Gewalt erzeugt erneut Gewalt und in der Beziehung entsteht eine angespannte Atmosphäre. Somit üben die Erzieher eine gewisse Macht aus. Eine Studie aus den USA bestätigt ebenfalls, dass 80 % der Eltern auf die Wirksamkeit von Strafen plädieren (vgl. ebd.: 9f). Bedienen sich die Erzieher Bestrafungen, wollen sie die bestrafte Person kontrollieren. Denn die eigenen Werte werden anderen Personen aufgezwungen (vgl. ebd.: 11). Somit üben Erzieher mit Bestrafungen Gewalt auf ein Kind aus. In der Regel ist Gewalt auf die Kinder auszuüben das Letzte was die Eltern wollen. Mit der Gewaltfreien Kommunikation wird das Ziel beabsichtigt, eine Verbindung zwischen Erziehern und Kindern herzustellen, bei der alle Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllt werden (vgl. ebd.: 11). Wird dieses Ziel erreicht, werden aus scheinbar unlösbaren Konflikten leicht lösbare Konflikte. Somit gelingt eine gegenseitige Achtsamkeit und respektvolle Haltung (vgl. ebd.: 12). Um ein solches Ziel zu erreichen, bedarf es viel Bewusstheit und Anstrengung. Denn die Gesellschaft ist in einem Verhaltensmuster verankert und diese umzuwandeln, benötigt viel Zeit, um zur Gewaltfreien Kommunikation zu gelangen (vgl. ebd.: 15). „Leider haben die meisten von uns nie gelernt, in Begriffen von Bedürfnissen zu denken. Wenn sich unsere Bedürfnisse nicht erfüllen, dann denken wir automatisch darüber nach, was andere Menschen falsch gemacht haben.“ (Rosenberg 2005: 73). Für Menschen die sich darauf einlassen wollen, ist die Gewaltfreie Kommunikation lebensbereichernd. Daraus folgt, dass die GFK ab jedem Alter zu lernen ist. Die Beziehungen aller Beteiligten werden durch die Gewaltfreie Kommunkation bereichert. Anstatt dass Gewalt ausgeübt wird, wird eine Verbindung hergestellt und die Bedürfnisse aller werden erfüllt.

 

Warum das Kind mittels Gewaltfreien Kommunikation lernt die Verantwortung für seine Gefühle und Handlungen zu übernehmen

Bei der Gewaltfreien Kommunikation geht es auch darum die Verantwortung für seine Gefühle zu übernehmen. Denn nicht die Gesellschaft ist dafür verantwortlich, was jemand fühlt und tut, sondern jeder Mensch ist selber verantwortlich, was er tut um seine Bedürfnisse zu erfüllen (vgl. Rosenberg 2010: 75).

Nach den Beobachtungen von Klaus-Dieter Gens (2009: 54) ist ein grosses Konfliktpotential vorhanden, wenn jemand die Ursache seiner Gefühle im Verhalten des Gegenübers sieht. Denn dieser übernimmt nicht die Verantwortung für seine Gefühle und Handlungen. Doch in Wirklichkeit liegt die Ursache der eigenen Gefühle in der eigenen Erfahrung und deren Geschichte. Das Wort weil, nimmt einen zentralen Stellenwert ein. Es spielt eine grosse Rolle wo das Wörtchen weil eingesetzt wird (vgl. ebd.: 54). In der Gesellschaft wird oft folgender Satz verwendet: „Ich bin traurig, weil du…“ (Gens 2009: 54). Somit übernimmt die Person, welche diesen Satz ausspricht, nicht die Verantwortung für seine Gefühle und Handlungen, sondern macht sein Gegenüber dafür verantwortlich (vgl. Gens 2009: 54). Setzt man aber das Wort weil an eine andere Position, so ergibt dies folgenden Satz: (vgl. ebd.: 54)) „Ich bin traurig, weil ich…“ (Gens 2009: 54). Somit übernimmt die Person die Verantwortung seiner Gefühle, weil er mit dem Wort weil sein Bedürfnis ausdrückt (vgl. Gens 2009: 54f).

Setzt die betreffende Person das Wort weil richtigen Ort ein, kann sie den Hörer nicht verletzten oder ärgern. Denn dies kann der Hörer nur selbst tun, wenn er innerlich zustimmt. Die Reaktion hängt somit vom Hörer selbst ab. Denn diesem stehen vier Hörmöglichkeiten von Schulz von Thun zur Verfügung (vgl. ebd.: 55). Dabei handelt es sich um die Sachebene, Beziehungsebene, Appellebene oder die Selbstoffenbarungsebene (vgl. Charlier 2001: 221). Wird Verantwortung für seine Gefühle übernommen, bedingt dies zugleich ebenfalls Verantwortung für die eigene Ausdrucks- und Handlungsweise zu tragen (vgl. Gens 2009: 54). Explizit heisst dies, dass Worte bewusst und achtsam gewählt werden müssen, damit diese nicht unangenehme Gefühle beim Gegenüber auslösen. Vielen Menschen fehlt dazu jedoch das präzise Vokabular. Werden dann die Wörter zu wenig achtsam ausgewählt, so sind diese Worte Auslöser der Gefühle und nicht deren Ursachen. Jemand der Verantwortung für seine Ausdrucksweise übernimmt, spricht somit mit Respekt, Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Wohlwollen (vgl. Gens 2009: 56).

Schliesslich gilt es festzuhalten, dass nach Beobachtungen festgestellt wurde, dass viele Menschen die Verantwortung für ihre Gefühle und Handlungen gar nicht übernehmen wollen. Dies wird darauf zurückzuführen sein, dass sie die Gewaltfreie Kommunikation gar nicht kennen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, ist jedoch die Grundlage, um die GFK zu üben und erfolgreich anzuwenden. Dies bedeutet, dass der ganze Prozess sich auf den Weg zur Gewaltfreien Kommunikation zu machen, auch weh tun kann, da man ehrlich zu sich selber sein muss, damit man vorwärts schreiten kann. Und trotzdem ist es meines Erachtens wert, sich damit auseinanderzusetzen, da es sich wirklich lohnt.

Fehlt Ihnen manchmal der Wortschatz oder suchen Sie nach passenden Verben, damit Sie sich präziser ausdrücken können. Falls Sie gerne eine Tabelle mit diversen aufgeführten Gefühlen für Ihren Geldbeutel haben möchte, dürfen Sie uns gerne ein Mail jasmin@selbstbewusste-kinder-erziehung.com schreiben und wir senden Ihnen diese dann zu.

 

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